Der nächste Text ist recycelt (ursprüngliche Version ist der Upload vom 17.10.11).
Er entstand dazumals sozusagen als Puzzle, in das ich einige Gedanken einverarbeitete, welche ich im Zusammenhang einiger spätmittelalterlicher Denkweisen gelernt hatte. Ur-Anstoss war - wie sooft - Signiore Eco mit dem wunderschönen Epilog seines
"Der Name der Rose", weiter ging es dann mit
"Herbst des Mittelalters" von Johan Huizinga.
Nun habe ich noch einen weiteres Motiv hineinverflechtet: Es handelt sich um den
"Ubi Sunt?"-Gedanken, welcher für mich eine höchst tragische und doch wunderschöne Traurigkeit über die Vergänglichkeit allen Seins besitzt. Am deutlichsten in Bernhard von Morlays
De contemptu mundi sichtbar:
"Est ubi nunc Babylonia? Wo ist nun der Glanz Babylons?
Wo ist nun der furchtbare Nebukadnezar, und des Darius Kraft, und jener Cyrus?
Wie ein Rad, das mit Kraft gedreht ist, schwanden sie dahin;
Ihr Ruhm bleibt übrig, er festigt sich - sie aber vermodern.
Wo ist nun die Julische Kurie, wo die Julische Prozession?
Caesar, du schwandest dahin! Und du bist der Grimmigste in der ganzen Welt
und der Mächtigste gewesen!
[...]
Wo ist nun Regulus? Und wo Romulus, und wo Remus?
Dem Namen nach steht die gestrige Rose noch da -
und uns bleiben die nachten Namen!"
Weitere in diesem Text verarbeitete Fragmente sind z.B. diese:
"Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt
kein Nun noch Hier;
Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir."
- Angelus Silesius (1624-1677)
...und...
"Ich will noch ein weiteres sagen,das noch wunderlicher klingt: ich behaupte in allem Ernst, daß diesem Lichte auch nicht genüget an dem einigen, in sich ruhenden göttlichen Wesen, welches weder gibt noch empfängt; vielmehr will es wissen, von wannen dieses Wesen komme, es will in den einfältigen Grund, in die stille Wüste, in die niemals irgendein Unterschiedliches hineingelugt hat: nicht Vater noch Sohn noch heiliger Geist; in dem Innersten, wo niemand heimisch ist, da erst finndet dieses Licht Genügen, und dem gehört es inniger zu als sich selber. Denn dieser Grund ist eine einfältige (aller Besonderung bare) Stille, die unbeweglich in sich selber ruht. [...] daß sie sich wirft in
die wüste, öde Gottheit, wo weder Werk noch Bild ist, auf daß sie sich da verliere und versenke in die Einöde."
- Meister Eckhart, Predigten
...und...
"Du [Gott] bist gleich einer allerweitesten, allerebensten und unermeßlichen Einöde, in der der wahrhaft fromme Geist, gereinigt von jeglicher Liebe zu etwas besonderem, von oben erleuchtet und gänzlich entzündet, umherschweift, ohne sich zu verirren, und sich verirrt, ohne umherzuschweifen, selig vergeht und unvergänglich genest."
- Dionysius der Kartäuser (1402-1471)
...und...
mehr will ich gar nicht weiter verraten, schliesslich zählt nun (und hier) einzig das Schlussdings. Und ebendieses folgt hier, (erneut, ich weiss!) begleitet von dieser Musik:
Gbral, der Totentänzer
P.S.: Und als Antwort der Frage des Titels, lasse ich das Buch Baruch (3,16-19) sprechen:
"Exterminati sunt et ad inferos descenderunt et alii loco eorum exsurrexerunt..."
"Ausgelöscht sind sie und in die Unterwelt hinabgestiegen, und andere sind an ihrer Stelle emporgekommen..."